Seite schließen

Unterstützer des Aufrufs - Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ - Professor für christliche Gesellschaftsethik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen / Frankfurt am Main

Die Bundesrepublik ist ein reiches Land. Die Menge der Güter wächst im Trend von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig wachsen das Armutsrisiko und die entsicherten Arbeitsverhältnisse. Gewinne und Managergehälter explodieren, während die Reallöhne sinken. Aber wirtschaftliche Ausgrenzung und politischer Ausschluss sind kein Naturereignis, sondern politisch verursacht. Die solidarischen Sicherungssysteme sind in den letzten Jahren fahrlässig oder mutwillig deformiert worden.

Gesellschaftliche Risiken wie arm, arbeitslos, schwer krank oder pflegebedürftig zu werden und in einer patriarchalen Gesellschaft Frau zu sein, können nicht auf die Schultern der Einzelnen, die davon betroffen sind, abgeladen werden. Denn sie sind für diese miserable Lage nicht verantwortlich. Mehr Markt und private Vorsorge überfordern diejenigen, denen die Einkommen zum Sparen fehlen. Das Geheimnis einer solidarischen Sicherung besteht gerade darin, dass die Beiträge gemäß der Leistungsfähigkeit entrichtet werden, der Anspruch auf Hilfe jedoch gemäß der Notlage eingelöst wird. Das kann der Markt nicht. Und wenn die Beiträge der Arbeitenden nicht ausreichen, die solidarischen Systeme zu finanzieren, dann sind alle Einkommen an ihrer Finanzierung zu beteiligen.

Eine Hauptaufgabe des Sozialstaates besteht darin, eine Barriere gegen die Vermarktung der Arbeit zu errichten. Erwerbsarbeit ist keine Ware. Wer kein Sach- und Geldvermögen hat, sondern nur seine Arbeitskraft, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, ist dem Arbeitgeber als Verhandlungspartner unterlegen. Erst durch den solidarischen Zusammenschluss der Arbeitnehmer ist eine Verhandlung auf gleicher Augenhöhe möglich, so dass gerechte Arbeitsbedingungen und Löhne vereinbart werden.


Seite schließen


>> Zum Seitenanfang